Wechseljahre: Warum Hitzewallungen kein Schicksal sind

Was im Körper passiert und welche Möglichkeiten es gibt, die Hitze zu lindern
„Da müssen Sie jetzt durch.“ Diesen Satz haben schon viele meiner Patientinnen gehört, wenn es um ihre Hitzewallungen ging. Manche wachen mehrmals pro Nacht durchgeschwitzt auf und fühlen sich am Morgen wie gerädert. Mich ärgert dieser Satz jedes Mal ein wenig, denn er stimmt so nicht. Es gibt einiges, was Ihnen helfen kann.
Was in Ihrem Körper passiert: In den Wechseljahren fahren die Eierstöcke die Östrogenproduktion herunter. Man vermutet, dass dadurch die Temperaturregelung im Gehirn, im sogenannten Hypothalamus, empfindlicher wird. Ihr Körper reagiert dann schon auf kleinste Schwankungen, als wäre ihm zu warm, und schaltet auf Kühlung: Die Gefäße weiten sich, die Haut rötet sich, der Schweiß fließt. Spannend, oder? Was genau diesen Mechanismus auslöst, ist bis heute nicht vollständig geklärt.
Was die Schulmedizin anbietet: Die aktuelle deutsche Leitlinie nennt die Hormonersatztherapie als wirksamste Behandlung, und vielen Frauen ist damit hervorragend geholfen. Ob sie für Sie passt, besprechen Sie am besten in Ruhe mit Ihrer Frauenärztin. Wenn Hormone für Sie nicht infrage kommen, hat auch die Naturheilkunde gute Möglichkeiten, Ihren Körper in dieser Umstellung regulierend zu begleiten.
Naturheilkundliche Möglichkeiten:
Diese Mittel setze ich in meiner Praxis häufig ein, und viele meiner Patientinnen haben damit brillante Erfahrungen gemacht:
- Traubensilberkerze: Dieser Pflanzenextrakt hat in mehreren Studien Hitzewallungen verringert. Die Leitlinie hält einen Nutzen für möglich, besonders bei milden Beschwerden.
- Rhapontik-Rhabarber: Ein spezieller Extrakt, der neben Hitzewallungen auch Schlaf und Stimmung günstig beeinflussen kann.
- Salbei: Als Tee oder Extrakt wird er traditionell bei starkem Schwitzen verwendet.
- Homöopathische Mittel: Sepia, Lachesis oder Sulfur gehören zu den Mitteln, die ich je nach Beschwerdebild auswähle. Hier stütze ich mich auf meine Praxiserfahrung, wissenschaftlich belegt ist die Wirkung nicht.
Nicht jedes Mittel passt zu jeder Frau. Bei Brustkrebs in der Vorgeschichte oder Lebererkrankungen sprechen wir vorher ganz genau ab, was für Sie infrage kommt.
Was Sie selbst tun können: Alkohol, Koffein, scharf gewürzte Speisen und Stress können Hitzewallungen begünstigen. Kleidung in Schichten, ein kühles Schlafzimmer und Entspannungsübungen machen manchen Frauen den Alltag spürbar leichter. Beobachten Sie doch einmal, wann bei Ihnen die Hitze aufsteigt. Welche Auslöser erkennen Sie?
Wann ein ärztlicher Blick sinnvoll ist: Nicht jede Hitze kommt von den Wechseljahren. Auch eine Schilddrüsenüberfunktion oder bestimmte Medikamente können dahinterstecken. Treten die Beschwerden plötzlich oder bereits in jungen Jahren auf, lassen Sie das bitte abklären.
Hitzewallungen sind lästig, aber Sie müssen sie nicht einfach aushalten. Gemeinsam finden wir heraus, was zu Ihnen passt.






